13.3. bahnchefs und andere (architektur-)verbrecher

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ok, in kurzer folge assoziationen zu den orten der letzten woche:

trier: das alte amphitheater, vor 2000 jahren mit unglaublicher finesse in einen weinberg reingemauert. immerhin das zehntgrösste der römischen welt. man hatte auch fliessend wasser in augusta treverorum. 400 nach christus kamen dann die germanen mit keulen aus dem wald und machten der bildungsbürger-gesellschaft dort ein ende. heute siedelt in dem kleinen tal, das zum amphitheater führt, der trierer kleingärtnerverein. dort, am bach, wo die römer einst einen tempel errichteten.wenn die UNESCO das amphitheater nicht retten würde, wer weiß?

jedenfalls haut es mich um, wie lebendig die antike mitten in deutschland sein kann.

stuttgart: der mixer sah aus wie ein alter biker-hippie, mit langem weissen bart über dem bierbauch und zopf, aber er benahm sich trotzdem wie ein oberlehrer, ein protestantischer. mit dem bin ich dann so aneinandergeraten, daß ich einfach auf mein stereo piano verzichtet habe und die show nur mit gitarre machte. war auch gut. bevor ich mich ärgern lasse blase ich zur not auf dem kamm. nach der show überkam mich punktgenau um ca. halb zehn der hunger.

hier kommen wir zu einem logistischen grundproblem: wenn botanica fertig sind mit ihrem soundcheck haben sie na klar hunger und gehen essen. für mich hingegen kommt dann der soundcheck. d.h. meine essenszeit rutscht hinter meine show, denn mit vollem magen geht nichts. nachdem ich dann das erste stück botanica per gitarre begleite, meldet sich irgendwie der hunger. manchmal denke ich auch ich will eine rauchen.

in stuttgart jedenfalls verlasse ich die akademische sitzveranstaltung im laboratorium nach dem ersten botanica song und kehre die strasse hoch beim gleichen edel italiener ein, in dem vorher auch die band war. neben mir am tisch eine parallelwelt. 2 familien, 4 kinder, zwischen 4 und 10, gut behütet und freundlich miteinander. wie aus dem ei gepellt, progressiv-dreitagebärtige familienväter, offensichtlich aus der kreativbranche (medien, mode oder so), die frauen gut situiert gekleidet, (chanel?). die gesprächfetzen, die ich mitbekomme, drehen sich um die freude, mit 250 km/h nach münchen zu fahren und das gefühl, das auto unter sich arbeiten zu spüren. ok, es hatte schon diverse grappas gegeben.

im akademikerclub zurück merkt niemand im publikum, wie ich mich wieder hereinschleiche und zum mittelteil von "Eleganza & Wine" meinen gitarrendienst wieder aufnehme. selbst paul ist so überrascht, daß er vor lachen den text und das singen vergisst.

am nächsten tag dann verlasse ich meine tourfamilie und begebe mich in die obhut des bahnchefs und seiner DB logistics group (meiner neuen lieblings-band), die mich zwar sicher nach hamburg bringen, aber ansonsten deutschland doch eher versaut zu haben scheinen.  (ok, kassel wilhelmshöhe mit seinem mutigen riesendach vielleicht ausgenommen.)

man muß hier erklären, daß ich seit ca. 1994 Deutschland nicht bereist habe. kinder der 60/70er wie meine brüder und ich verbrachten tage, wochen auf dem hintersitz (ohne sicherheitsgurt!) auf autobahnen und landstrassen, teilweise mit möbelstücken auf dem dach. die alten bahnhöfe stanken nach metall, zigarren und pisse und hatten riesige schwingtüren mit holzrahmen. der bahchef und seine DB logistics group haben das alles weggefegt und im verein mit grossen kinogruppen und "galleria" konzernen die identität z.b. meiner kindheitsheimat freiburg hinter glas- und stahlfassaden in schutt und asche gelegt.

die zerstörungswut der deutschen, unter dem mantel irgend einer unbedingt notwendigen neuerung immer neu in gang gesetzt, kennt nach wie vor keine grenzen. überall woanders, in der schweiz oder frankreich z.b. scheint man tradition und moderne besser in einklang zu bringen. es ist zum kotzen und schuld ist der bahnchef und seine chefs. nämlich wir selbst, die diese iditoten wählen. bzw. noch viel schlimmer, nicht zur wahl gehen.

Kommentare

Klasse wie du das wieder

Klasse wie du das wieder geschrieben hast und uns dein Tourleben näher bringst. Echt toll, du hast wirklich eine klasse Art zu Schreiben, liest sich flott hintereinander, bei witzigen und ernsten Themen.

Upsssssss, da haste also nur mit Gitarre gespielt ? Nunja, der klügere gibt nach, stimmts ?? Auf ganz bald, beste Grüsslis von Uti